ARTIKEL LONG FORMAT, Vinciane Vuilleumier | Werke auf Papier üben auf mich immer eine besondere Faszination aus. Vielleicht liegt das daran, dass der Bildträger immer präsent ist und eine aktive Rolle im Bild spielt - er ist schließlich der negative Raum, den man benutzt, um das Licht hervorzubringen. Auf einer Leinwand hinterlässt eine glatte, einheitliche Malschicht die Illusion, dass wir es mit einem Bild zu tun haben, nur - die Technik ist so perfekt, dass sie den Gegenstand und die Schöpfung unter dem Anschein einer Szene verbirgt. Auf einem Blatt bringen die Spuren die Zeichnung zum Vorschein, aber die markierte Oberfläche bleibt sichtbar - ihre Körnung, ihr Farbton, die Spuren der Zeit und der Abnutzung, sie leiht der Komposition ihr Material.
LONG FORMAT ARTIKEL, Vinciane Vuilleumier | Bilder lehren uns zu sehen. Sie schulen unsere Sensibilität: Durch die Bilder wird das Land zur Landschaft. Alain Roger spricht von der Artialisierung in visu: Kulturelle, künstlerische oder literarische Produktionen bilden dynamisch Sehregime, indem sie uns zeigen, wie wir Teile der Realität, die wir bis dahin überflogen hatten, ästhetisch sehen können. Das erste Land, das zur Landschaft wurde, war das Land, dann folgten die Küste, die Weite des Ozeans und der grandiose Anblick der Alpen. Wenn man so viele schöne Darstellungen gesehen hat, bekommt man einen neuen, sensiblen Blick auf die Wirklichkeit, wenn sie sich in diesen anderswo betrachteten Formen präsentiert.
Man hängt sie an die Wand, klebt sie in ein Notizbuch, steckt sie in ein Buch, schickt sie an einen Verwandten oder bewahrt sie zusammen mit dem Rest der Sammlung in einem Holzkästchen auf: Postkarten sind allgegenwärtig. Es gibt nichts Lebhafteres als das Gefühl, in einem Buch aus zweiter Hand eine Postkarte zu finden, die nicht die unsere war und die Zeichen eines Austauschs oder einer Erinnerung trägt, die uns entgangen ist.
Les bouquins du mardi – Jonas Follonier Mêlant les photographies de Patrick Gilliéron Lopreno et les textes de Slobodan Despot,...
Das Gedächtnis ist elastisch: Man kann es nach Belieben konfigurieren - und das muss man auch. Das erfordert natürlich eine gewisse Askese, denn in der Menge gehen die Reliefs verloren: "Wählen heißt verzichten", sagte André Gide. Und genau das ist der Schlüssel: Die Menge der Inhalte, die durch unser Bewusstsein fließen, zu reduzieren, unsere Aufmerksamkeit gezielt zu lenken, damit bestimmte Inhalte zu Knotenpunkten werden - zu Knotenpunkten in einem Gedächtnisnetz, das wir wie ein Kunstwerk gestalten.
Von der Malerin Vinciane Vuilleumier
Rückblick auf den Eröffnungstag am 13. Juni
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ENTRETIEN, Loris S. Musumeci | Nous sommes face à deux grands personnages, en dépit de leur humilité et de leur discrétion. Monique Rey consacre sa vie à la transmission de la culture et la création poétique; René Bersier est un photographe dont le travail contribue fortement au paysage artistique helvétique. La rencontre de ces deux passionnés remonte à bien des années. Ce qui les a menés à réaliser des livres alliant la poésie de l’une à la photographie de l’autre pour offrir au lecteur – ou peut-être au spectateur – des ouvrages de grande qualité, dont la promenades entre les pages émeut qui sait s’y immerger.