Marx lesen, um den Kapitalismus zu legitimieren
ANALYSE, Olivier Meuwly | «Man könnte argumentieren, dass die Reformfähigkeit kapitalistischer Systeme zum Teil Marx selbst zu verdanken ist», fragt sich Raymond Aron nicht ohne eine gewisse Heiterkeit in seiner berühmten Vorlesung über Marx« Marxismus, die er Anfang der 1960er Jahre an der Sorbonne hielt, ein Jahrzehnt später am Collège de France gehalten und 2002 von Jean-Claude Casanova im inzwischen aufgelösten Verlag Editions de Fallois veröffentlicht wurde. Gibt sich Aron hier seiner gewohnten Ironie hin? Oder muss man sich fragen, ob hinter diesem provokanten Aphorismus nicht nur die tiefe Bewunderung zum Vorschein kommt, die der große französische Liberale dem Gründervater des »wissenschaftlichen Sozialismus“ stets entgegengebracht hat, sondern auch eine Warnung an diejenigen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, eben diesen Kapitalismus zu analysieren … oder zu praktizieren?
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