Wirtschaft Analyse

Gründe für den Anstieg von Bitcoin auf über 100.000 Dollar

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geschrieben von Frédéric Jollien · 06. Dezember 2024 · 0 Kommentare

Donald Trumps jüngstes Einschwenken auf die Pro-Bitcoin-Rhetorik ist eher die Folge eines verstärkten Hypes um die bekannteste aller Kryptowährungen als umgekehrt. Einige Fakten.

Am Donnerstag, dem 5. Dezember, hat Bitcoin die symbolische Schwelle von 100.000 US-Dollar überschritten und damit einen neuen Rekord aufgestellt. Wie erwartet folgen nun zahlreiche Medienkommentare, die versuchen, dieses Ereignis zu erklären. Die Mehrheit der Medien (24 Stunden, RTS, BBC, CNN…) scheinen sich über eine Ursache einig zu sein: die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Zu ihrer Verteidigung muss man sagen, dass dieser sich den Anstieg tatsächlich selbst zugeschrieben hat, indem er sagte: «Bitcoiners, you’re welcome» («Bitcoiners, gern geschehen!»).

Abgesehen von politischen Äußerungen hat sich der Status von Bitcoin in den letzten Monaten stark verändert, sowohl auf institutioneller Ebene als auch hinsichtlich der Akzeptanz durch die Märkte … und das schon lange vor Trumps Wahl. Zahlreiche Beobachter sind übrigens der Ansicht, dass sich der Republikaner – ebenso wie seine Anhänger – gerade deshalb Bitcoin zugewandt hat, weil diese Kryptowährung an Popularität und Ansehen gewonnen hat, und nicht umgekehrt.

Eine offizielle Anerkennung

Am 11. Januar hat die Securities and Exchange Commission (SEC), die US-Finanzaufsichtsbehörde, die Auflegung von Bitcoin-ETFs genehmigt – ein mit Spannung erwartetes Finanzprodukt, das Vermögensverwaltern den Zugang zu dieser Art von Anlage eröffnet. Diese Genehmigung kann als Anerkennung von Bitcoin durch die Behörden gewertet werden.

Es handelt sich um den erfolgreichsten Start in der Geschichte, bei dem bereits am ersten Tag ein Handelsvolumen von 4,6 Milliarden Dollar erreicht wurde – ein Rekord für einen Start. Zehn Monate später übertraf der Wert des Bitcoin-ETF (IBIT) sogar den seines seit mehreren Jahrzehnten etablierten Pendants für Gold (IAU).

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Seit Anfang Januar haben Bitcoin-ETFs ein rasantes Wachstum verzeichnet und halten heute mehr als 1,2 Millionen Bitcoins, was einem Wert von rund 124 Milliarden Dollar entspricht. Diese massive Akzeptanz hat die Finanzwelt überrascht und begeistert und markiert einen historischen Meilenstein bei der Integration von Kryptowährungen in die traditionellen Märkte.

Auch die Äußerungen der führenden Persönlichkeiten des Finanzsektors haben sich grundlegend gewandelt. Am 4. Dezember, also am Tag vor der Nacht, in der die 100’000-Dollar-Marke überschritten wurde, bezeichnete Jerome Powell, Vorsitzender der US-Notenbank (FED), Bitcoin als «Konkurrenten von Gold». Im Juli bezeichnete Larry Fink, CEO von BlackRock, Bitcoin als «Flucht in die Qualität». Selbst Jamie Dimon, der Bitcoin 2017 noch als «Betrug» bezeichnet hatte, hat seine Äußerungen inzwischen bereut und erkennt nun das Potenzial der Technologie an.

Kapitalerhalt

Das Gleiche gilt für Politiker. Im Jahr 2021 traf der junge Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, die Entscheidung, Bitcoin als Landeswährung einzuführen. Im Jahr 2023 äußerte sich der argentinische Präsident Javier Milei positiv zu Bitcoin und stimmte der Verwendung dieser Währung für Finanztransaktionen zu. Auch Wladimir Putin erklärte, Bitcoin könne «nicht verboten werden und werde sich weiterentwickeln». Und in den Vereinigten Staaten hat die Republikanische Partei eine sehr positive Haltung gegenüber dieser Kryptowährung eingenommen und dürfte den «Bitcoin Act 2024» verabschieden, ein Gesetz, das die Schaffung einer Federal Reserve in Bitcoin zum Ziel hat.

Diese wiedergewonnene Legitimität wird auch durch die zunehmende Akzeptanz seitens traditioneller Finanzakteure gestützt. Zahlreiche Unternehmen haben Bitcoin und andere Kryptowährungen in ihre Bilanz aufgenommen (Tesla, MicroStrategy, MetaPlanet…) oder bieten diesen Service ihren Kunden an. Zu nennen sind hier insbesondere PostFinance sowie die Kantonalbanken von Zürich und St. Gallen, die regelmässig dafür werben.

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Zudem trägt die Widerstandsfähigkeit von Bitcoin gegenüber den zahlreichen Marktturbulenzen dazu bei, das Vertrauen der Anleger zu stärken. Auch wenn die Kursschwankungen volatil sein können, liegt die Attraktivität von Bitcoin in seiner programmierten Knappheit und seinem dezentralen Charakter, die es zu einem einzigartigen Vermögenswert machen, der vor Währungsmanipulationen geschützt ist. Das von Larry Fink erwähnte Phänomen der «Flucht in die Qualität» zeugt vom wachsenden Vertrauen in Bitcoin als Alternative angesichts von Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit.

Bitcoin wird mittlerweile als ausgereifter Vermögenswert angesehen, der neben traditionellen Finanzinstrumenten bestehen kann und gleichzeitig ein einzigartiges Wertversprechen bietet: das einer elektronischen Wertreserve. Dieser Paradigmenwechsel lässt eine Zukunft erwarten, in der Kryptowährungen eine zentrale Rolle in Anlageportfolios und in der Weltwirtschaft spielen könnten.

Anhaltende Unsicherheiten

Dennoch bestehen weiterhin Herausforderungen. Die Regulierung bleibt ein heikles Thema. Während für Bitcoin ein relativ klarer Rechtsrahmen gilt, ist dies bei Tausenden anderer Kryptowährungen nicht der Fall. Auch hinsichtlich der künftigen Entscheidungen der Regulierungsbehörden in verschiedenen Regionen der Welt bestehen Unsicherheiten.

Eines ist jedoch sicher: Bitcoin hat mittlerweile auf allen Ebenen der Gesellschaft eine Anerkennung erlangt, die vor einigen Jahren noch unwahrscheinlich schien. Seine Zukunft innerhalb des globalen Finanzsystems scheint immer vielversprechender zu werden.

Frédéric Jollien ist Wirtschaftswissenschaftler und Experte für Kryptowährungen. Als Vorstandsmitglied des Liberalen Instituts engagiert er sich zudem in der «Bitcoin-Initiative», die darauf abzielt, diesen Vermögenswert in die Reserven der SNB aufzunehmen.

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Frédéric Jollien
Frédéric Jollien

Frédéric Jollien ist Wirtschaftswissenschaftler und sitzt im Vorstand des Liberalen Instituts.

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