Tomaten zu importieren macht mehr Sinn als sie in der Schweiz zu produzieren
Viele urbane Legenden ranken sich um den CO2-Fußabdruck von importierten Produkten. © Unsplash
Während in Bern die Debatte über die Kennzeichnung von Lebensmitteln, die mit dem Flugzeug transportiert werden, läuft, scheint es sinnvoll, einen allzu tief verwurzelten Mythos über die Umweltauswirkungen von Lebensmittelimporten aufzubrechen.
Dies ist ein oft diskutierter Aspekt des Lebensmittelkonsums, der es unmöglich macht, das Thema Verkehr anzusprechen, ohne die Importe zu erwähnen. Zwei Artikel in der Neue Zürcher Zeitung (NZZ) in 2021 und 2023 bieten eine sehr interessante Perspektive auf das Thema. Der Wirtschaftsjournalist Matthias Benz zeigt darin auf, dass es wichtigere Maßnahmen gibt, die man ergreifen kann, wenn man seinen CO2-Fußabdruck verringern möchte, wie z. B. auf Flugreisen zu verzichten oder seinen Fleischkonsum zu reduzieren. Geografische Nähe ist nicht unbedingt ein Garant für eine bessere Umweltbilanz. Manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall.
Solange es sich nicht um Luftimporte handelt, ist der Transport nicht unbedingt ein Problem für die Umwelt. Bei den meisten Lebensmitteln sind andere Aspekte im Zusammenhang mit der Produktion oft wichtiger als der Transport. Matthias Benz bewertet beispielsweise den Fall von Tomaten, die aus Südspanien importiert werden. Ihre CO2-Bilanz ist nachweislich besser als die von Tomaten aus der Region, die im Winter in beheizten Gewächshäusern produziert werden. Dasselbe gilt für Bio-Himbeeren aus Serbien, die umweltfreundlicher sind als konventionelle Himbeeren aus dem Thurgau.
Eine Scheindebatte?
Da die Schweiz in Bezug auf Lebensmittel nicht unabhängig ist, wird der Import von Lebensmitteln ohnehin nicht aufhören. Wenn die Produktion von Gemüse in europäischen Ländern mit mehr Sonnenstunden weniger umweltschädlich ist als die Produktion in der Schweiz, warum essen wir dann im Sommer weiterhin geschmacklose Tomaten, wie der Autor und Restaurantkritiker Richard Kägi kürzlich in der gleichen Zeitung feststellte?
Der Hauptgrund bleibt die Unterstützung lokaler Landwirte. Das macht Sinn, wenn es um Produkte geht, die aufgrund des Klimas, des Know-hows oder der Traditionen besser sind, wenn sie hier produziert werden. Aber nicht bei Tomaten, die in der Schweiz nach wie vor sehr häufig angebaut werden. Nicht zur Freude von Richard Kägi, der sich die Freiheit bewahren möchte, Lebensmittel in erster Linie nach ihrem Geschmack zu kaufen. Umso mehr, wenn die Umweltverträglichkeit nicht beeinträchtigt wird.
Die erwähnten Artikel von Matthias Benz in der NZZ bieten weitere sehenswerte Informationen und Grafiken - nicht nur über Gemüse, sondern über alle Arten von Lebensmitteln.
Schreiben Sie dem Autor: max.frei@leregardlibre.com
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