Schweiz Analyse

Tabakabstimmung und doppelte Mehrheit: Wenn die Linke populistisch wird

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geschrieben von Antoine Bernhard · 14. Februar 2022 · 0 Kommentare

Antoine-Frédéric Bernhard und Jonas Follonier

La règle de la double majorité du peuple et des cantons s’est fait snober de façon inaperçue sonntags 13 février par un élu socialiste, dans le cadre de la votation portant sur l’interdiction des publicités pour le tabac. Cette situation n’est pas nouvelle et se répète régulièrement à l’occasion des scrutins fédéraux, en particulier lorsque la règle de la double majorité désavantage la gauche. Ces assauts réguliers contre le système suisse relèvent d’un populisme opportuniste et attaquent l’un des piliers de la démocratie helvétique, encore pertinent aujourd’hui. Analyse.

C’était écrit d’avance: quelle que soit le résultat de la votation sur l’initiative «Enfants sans tabac», la règle de la double majorité, voulant que les modifications de la Constitution fédérale requièrent non seulement la majorité de la population, mais aussi celle des cantons, allait être attaquée – au moins jugée secondaire – par les initiants. Précisément parce qu’elle n’était pas acquise d’avance. Cela n’a pas manqué.

Cette règle, rappelons-le, a été mise en place en 1848, lors de la création de la Suisse moderne. Selon l’historien Olivier Meuwly, spécialiste de cette période, «cette règle est le reflet d’une volonté de compromis de la part des vainqueurs de la guerre du Sonderbund, les radicaux». Il s’agit en effet d’inclure les intérêts des cantons catholiques, correspondant grosso modo aux cantons ruraux, dans le logiciel démocratique, fait de fins équilibres. Alors que, typiquement, les cantons peuplés, urbains et plus libéraux, historiquement protestants, ont l’avantage sur les autres durant les élections, les cantons alpins et moins progressistes ont davantage de poids pour les votes constitutionnels. «Ce qui est en jeu ici, c’est la défense des minorités qu’assure le fédéralisme globalement et dont la double majorité est une conséquence.» Les minorités en question, ce sont les cantons. Pour rappel, la Bundesverfassung, definiert in Artikel 1 die Schweiz als ein Volk und aus Kantonen – das ist das Wesen eines Bundesstaates.

Nun stellt sich jedoch heraus, dass die Regel der doppelten Mehrheit den Interessen der Linken manchmal zuwiderläuft, da einige kleine, eher konservative Kantone in der Lage sind, dem Willen des Volkes entgegenzuwirken, dessen zahlenmäßige Mehrheit in den Städten liegt, die den linken Ideen weitgehend zugeneigt sind. Dies war insbesondere bei der eidgenössischen Initiative «Verantwortungsvolle multinationale Unternehmen» der Fall, die vom Volk knapp angenommen, von den Kantonen jedoch klar abgelehnt wurde. So greifen Persönlichkeiten der Linken diese Regel, die ihnen ein Dorn im Auge ist, regelmäßig an und argumentieren, dass seit dem 19.. siècle, l’écart démographique entre les petits cantons et les grands s’est bien accentué, un Appenzellois «valant» quarante Zurichois. Cette attitude peut légitimement être qualifiée d’opportuniste, dans la mesure où elle répond à une logique purement utilitaire: décrier un système politique, voire proposer (le temps d’un dimanche) de le changer, pour en tirer des avantages.

Eine weitere Begründung spricht für die Regel der doppelten Mehrheit: Wenn die Meinung der Bevölkerung je nach Region stark voneinander abweicht, ist es besser, auf die Beibehaltung des Status quo zu setzen als auf eine Verfassungsänderung. Die doppelte Mehrheit ist eine Art Schutzmechanismus gegen jede Form der Tyrannei der Mehrheit. Der ehemalige Bundesrat Pascal Couchepin So drückte er es am 1. auser Dezember 2020 nach der Ablehnung der Initiative für «verantwortungsbewusste multinationale Unternehmen», im Studio der 19:30-Uhr-Sendung: «Wenn ein Gesetz nicht notwendig ist, dann ist es überflüssig.» Diese Form der demokratischen Lebensgestaltung kann – gerade weil sie den Eindruck erwecken kann, dem Volkswillen zuwiderzulaufen – leicht zum Ziel populistischer Rhetorik werden, wie es gestern der Fall war – wobei «Populismus» in erster Linie «ein politischer Stil ist, der auf dem systematischen Rückgriff auf den Appell an das Volk beruht», wie der Ideengeschichtler Pierre-André Taguieff betont.

Der Populismus von Hans Stöckli

An diesem Sonntag, dem 13. Februar, als zwar die Mehrheit der Bevölkerung für die Initiative «Kinder ohne Tabak» gestimmt hatte, aber noch nicht die Mehrheit der Kantone, erklärte der Berner Ständerat Hans Stöckli von der Sozialdemokratischen Partei, erklärte au micro de la RTS: «Pour le moment, on se réjouit de la majorité du peuple, et finalement, c’est le peuple qui compte.» En somme, le message passé est le suivant: «Si nous obtenons la majorité des cantons, tant mieux, car cela veut dire que le peuple est majoritaire dans suffisamment de cantons; si nous ne l’obtenons pas, le résultat n’est pas vraiment légitime, puisque qu’il y a de toute manière la majorité du peuple et c’est elle qui devrait primer.»

Die Idee ist ziemlich ironisch, wenn man bedenkt, dass Hans Stöckli in den Ständerat gewählt wurde – eine Institution, die darauf abzielt, die Macht der Kantone und die Macht des Volkes auszugleichen, so wie es die Regel der doppelten Mehrheit tut. Über die Haltung «Regeln sind uns egal, wenn sie uns nicht passen» wollen wir hier nicht weiter sprechen. Hervorzuheben ist jedoch diese immer wiederkehrende Behauptung, wonach die Regel der doppelten Mehrheit veraltet oder gar von jeher unrechtmässig sei. «Solche Äusserungen sind eindeutig Populismus, wie er für die Schweizer Linke typisch ist», meint Olivier Meuwly.

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Um ein System reformieren zu wollen, muss man es zunächst verstehen und seine Geschichte kennen. Betrachtet man die Regel der doppelten Mehrheit genauer, so wird deutlich, dass sie das Ergebnis einer gründlichen politischen Überlegung ist, die darauf abzielt, das Kräftegleichgewicht in der Schweiz zu gewährleisten, indem sie eine andere Vision von Demokratie vorschlägt als das reine Gesetz der Zahlen. Sie ist zudem das Ergebnis einer Synthese aus Zentralismus (Vorrang der Mehrheit des Volkes) und Föderalismus (Vorrang der Mehrheit der Kantone) und darf nicht nur dann zur Anwendung kommen, wenn die Abstimmungsvorlagen die Kantone direkt «betreffen», wie es manche gewählte Vertreter gerne hätten. Je nach historischer Konstellation kann sie dem einen oder anderen politischen Lager Vorteile verschaffen, darf jedoch nicht zum Spielball einer populistischen und opportunistischen Rhetorik werden, die letztlich den Interessen eines bestimmten politischen Lagers dient.

Es bedarf weiterer Argumente, um einen institutionellen Wandel in der Schweiz wirklich zu rechtfertigen.

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Titelbild: Staatsrat Hans Stöckli (SP/BE) im Jahr 2019 © parlament.ch

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