Ortega y Gasset, der Schrei des Liberalismus
Joaquín Sorolla, «José Ortega y Gasset» (1918), ausgestellt bei der Hispanic Society of America, New York
José Ortega y Gasset gehört selten zu den am häufigsten zitierten und studierten Philosophen. Dennoch sind seine politischen, sozialen und moralischen Diagnosen nach wie vor aktuell. Porträt eines bedeutenden Denkers des 20. Jahrhunderts.
An der Grenze zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert taumelte Spanien. Nach einem intellektuellen und industriellen Rückstand gegenüber dem Rest Europas und dem Verlust der letzten Kolonien im Jahr 1898 geriet die Nation in eine existenzielle Krise. In dieser Atmosphäre des Zweifels und des Niedergangs wuchs José Ortega y Gasset auf. Der spätere Vordenker des spanischen Reformismus wurde 1883 in Madrid in eine bürgerliche Familie hineingeboren und wandte sich bald der Philosophie zu. Nach seiner Doktorarbeit und mehreren Aufenthalten in Deutschland, bei denen er vom Neokantismus beeinflusst wurde, erhielt er 1910 den Lehrstuhl für Metaphysik an der Zentraluniversität von Madrid.
Schon früh gibt sich der Philosoph
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