Ein Leben im Dienst des Buches: «Monsieur Payot» sagt aus
Bücher am Dienstag - Ivan Garcia
In einem ausführlichen Interview gibt Pascal Vandenberghe, Geschäftsführer der Payot-Buchhandlungen, den Lesern Einblicke in seinen Werdegang. Von seiner Jugend in Metz über Paris bis hin zu den Schweizer Bergen schildert «Monsieur Payot» – wie ihn manche Medien nennen – detailliert die Erfahrungen und Begegnungen, ob real oder literarisch, die ihn zu dem gemacht haben, was er heute ist, sowie sein Abenteuer mit Payot Libraire. Ein unverzichtbares Buch für alle, die mehr über diese Buchhandelskette und den Mann erfahren möchten, der dazu beigetragen hat, sie unabhängig zu machen.
«Pascal Vandenberghe, der »Buch-Guru“ mit den langen weißen Haaren, kam 2004 als Geschäftsführer der Payot SA zu Payot. Zehn Jahre später, im Jahr 2014, übernahm er das Unternehmen Payot SA (Payot Libraire + Nature & Découvertes), wurde Mehrheitsaktionär und löste es aus der Lagardère-Services-Gruppe aus. Doch wie gelangte der junge Autodidakt aus Metz – ein Träumer, Handwerker und unermüdlicher Leser, Buchhändler bei der Fnac und Verleger – zu Payot und darüber hinaus sogar in die Position des Generaldirektors? Genau dieser Frage geht er in einem Interview mit dem Titel Der Seiltänzer aus dem Buch zusammen mit seinem Gesprächspartner, dem Journalisten und Kolumnisten Christophe Gallaz.
Der «Don Quijote» des Buches
«Mein Leben von Bücher sind untrennbar mit meinem Leben verbunden für »die Bücher“, schreibt Pascal Vandenberghe am Ende des Vorworts zum Seiltänzer des Buches. Dieses Interview mit Christophe Gallaz, ergänzt durch einen Aufsatz mit dem Titel Das Stöbern in Buchhandlungen ist ein Kampfsport, besteht aus vier Teilen. Es handelt sich also um ein «Konzeptbuch», um es mit den Worten von Quentin Mouron und dem Verleger Olivier Morratel zu sagen. Der erste Teil des Interviews befasst sich mit der Jugend von «Monsieur Payot», von seiner Geburt über seine chaotische Schulzeit bis hin zu seinen Don-Quijote-ähnlichen Abenteuern, bevor er schließlich bei der Fnac landete, wo er das Buchhändlerhandwerk erlernte.
«Ich war dreiundzwanzig Jahre alt und lebte seit meinem sechzehnten Lebensjahr ein bisschen wie ein fahrender Ritter – mit Gelegenheitsjobs, Reisen, Mädchen … Ich war nicht unglücklich, hatte aber nicht den geringsten Plan für die Zukunft.»
Der zweite Teil befasst sich mit seinen Ausbildungs- und Arbeitsjahren bei der Kette Fnac (die sich deutlich von dem Konsumtempel unterscheidet, den wir heute kennen). Der dritte Teil beleuchtet seine Zeit im Verlagswesen, insbesondere bei den Editions La Découverte, die auf Geistes- und Sozialwissenschaften spezialisiert sind. Schließlich beschreibt der vierte Teil seine Ankunft bei Payot, seinen harten Kampf um die Unabhängigkeit des Verlags und die Herausforderungen, die noch vor ihm liegen, bevor er möglicherweise in den Ruhestand geht.

Der Seiltänzer aus dem Buch ist das Zeugnis einer Berufung, gespickt mit Anekdoten, das uns der Gesprächspartner näherbringt. Doch ein Zeugnis, das, auch wenn es autobiografisch ist, keine wesentlichen Aspekte des Privatlebens des Protagonisten preisgibt. Tatsächlich ist das Thema des Buches nicht Pascal Vandenberghe selbst, sondern die Beziehung, die dieser zum Buch und seinem Umfeld unterhält. So zitiert der Autor als Einleitung ein Lied von Brassens, um jegliche Zweideutigkeit zu vermeiden: «Ich zeige meine Fortpflanzungsorgane niemandem / außer meinen Frauen und meinen Ärzten.» Liebhaber von Klatsch und frivolen Anekdoten sollten lieber weiterziehen! Neugierige aller Art hingegen werden in dieser facettenreichen Lebensgeschichte auf ihre Kosten kommen.
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Die Lektion von «Monsieur Payot»
Das von Christophe Gallaz geführte Interview verläuft flüssig und lässt sich leicht lesen. Es ist jedoch anzumerken, dass die vom Interviewten genannten Bezüge relativ fachspezifisch sind und es manchmal erforderlich machen, dass der Leser die Informationen außerhalb des Buches nachschlagen muss. Ein Beispiel dafür ist, wenn Pascal Vandenberghe über die rein französische Buchszene spricht und dabei unter anderem «Le Furet du Nord» erwähnt, wenn er die Editions Maspero [Anm. d. Red.: früherer Name der Editions La Découverte] anspricht oder wenn er «fachspezifische» Begriffe wie «chaîne d’office» verwendet, sind diese Bezüge nicht jedem geläufig. Und doch würde das Werk ohne sie an Charme verlieren. Neben der konkreten Darstellung der beruflichen Erfahrungen des Interviewten, Der Seiltänzer aus dem Buch bietet zudem die Gelegenheit, die Überzeugungen kennenzulernen, die den Generaldirektor von Payot antreiben – darunter seine Dankbarkeit gegenüber dem Buch –, und die sein Engagement für dieses Medium erklären.
«[…] bis 2007, nachdem ich bereits drei Jahre bei Payot tätig war, war ich der Ansicht, dass ich dem Buch etwas schuldig war.
Eine persönliche Schuld?
Ja. Alles, was ich seit 1983 in meinem Leben erreicht hatte – einschließlich dieser erfüllenden beruflichen Laufbahn –, verdankte ich den Büchern, die mich geprägt hatten. Wenn ich mich so sehr engagierte, wenn ich mich voll und ganz einsetzte, dann nur, um meine Schuld gegenüber ihnen zu begleichen, die mir alles gegeben hatten.»
Wie bereits erwähnt, ist Pascal Vandenberghe Autodidakt. Seine literarische Bildung hat er sich – zumindest anfangs – selbst angeeignet. Er hat kein Hochschulstudium absolviert und zahlreiche handwerkliche Berufe ausgeübt, darunter den des Einstellers und Mechanikers, bevor er in die Buchbranche kam. Er ist eine Art Selfmade-Mann oder einer Figur aus Balzacs Romanen, die es durch harte Arbeit und Leidenschaft geschafft hat, den Platz einzunehmen, der ihr zusteht. Im Übrigen hatte der Autor im Jahr 2019 veröffentlicht „Cannibale lecteur“: Literaturkritiken und kulturelle Perlen, eine Sammlung literarischer Kolumnen, in denen er die Autoren und Bücher vorstellte, die ihn geprägt haben.
Beim Lesen des Seiltänzer des Buches, man erfährt dabei viel. Sowohl über Pascal Vandenberghe als auch über den Verlag Payot sowie über die französische und schweizerische Buchszene. So waren bestimmte Dinge, die uns heute selbstverständlich erscheinen – wie beispielsweise die Tatsache, dass ein Buch am selben Tag in Frankreich und in der Schweiz erscheint –, vor dreißig Jahren noch keineswegs selbstverständlich. Vor allem aber entdeckt man die Lebensgeschichte eines Mannes, der – wie andere Schriftsteller oder Verleger auch – sein Leben in den Dienst des Buches gestellt hat und an dessen Kraft glaubt. Eine große Lebensweisheit, die uns «Monsieur Payot» vermittelt.
«Was mich betrifft, so habe ich Payot – entgegen der Meinung einiger – nicht aus persönlichem Ehrgeiz übernommen, sondern um dem Unternehmen eine Zukunft zu sichern. Aus Pflichtgefühl – wenn dieses Wort noch etwas bedeutet – und aus Notwendigkeit. Anhand eines einfachen Kriteriums lässt sich der Werdegang eines Unternehmensleiters bewerten: Wenn das Unternehmen bei seinem Ausscheiden ebenso viel Zukunft vor sich hat wie Vergangenheit, als er es übernahm, dann war er erfolgreich. Das schließt natürlich nicht aus, dass er das Unternehmen reformieren musste, um es nachhaltig zu gestalten. Aber sein Hauptanliegen muss der Fortbestand des Unternehmens sein, nicht die Vergütung seiner Aktionäre.»
Schreiben Sie dem Autor: ivan.garcia@leregardlibre.com
Bildnachweis für das Titelbild: © Payot Libraire
Foto der Buchhandlung Payot in Genf, Rive Gauche.

Pascal Vandenberghe
„Der Seiltänzer des Buches“, ein Gespräch mit Christophe Gallaz, gefolgt von Das Stöbern in Buchhandlungen ist ein Kampfsport (Essay)
Editions de L'Aire
2021
260 Seiten
1 Kommentar
Guten Tag. Zu Ihrer Information: Das Adjektiv, das sich auf die Stadt Metz bezieht, lautet "messin" und nicht "metzien". Ich nehme es Ihnen nicht übel und danke Ihnen, dass Sie mir "Monsieur Payot" vorgestellt haben. Mit freundlichen Grüßen, OC
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