Der 31-jährige Philippe Nantermod wird nach Bern gehen: «Ich habe eine liberale Sicht auf die Schweiz»

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geschrieben von Jonas Follonier · 15. November 2015 · 0 Kommentare

Der Walliser Philippe Nantermod zieht im Alter von 31 Jahren in den Nationalrat ein. Seine Wahl verdankt der aus dem Chablais stammende Philippe Nantermod zweifellos seinem Engagement: Von 2007 bis 2012 war er Vizepräsident der Jungfreisinnigen Schweiz, anschliessend von 2012 bis 2013 Co-Präsident der Sektion, von 2009 bis 2013 stellvertretender Grossrat des Kantons Wallis, danach Grossrat sowie seit 2012 bis heute Generalsekretär der Union der Unabhängigen… Sein Motto: «Mut, Herz, immer.» Einen Monat nach den Wahlergebnissen beantwortete Philippe Nantermod unsere Fragen zu seinem Projekt für die Schweiz und seiner Vision für die Zukunft der Liberalen Partei (PLR).

Le Regard Libre: Sie wurden gewählt; doch die PLR hat ihre beiden Sitze nicht errungen. Jean-René Germanier wird nicht für eine vierte Amtszeit kandidieren. Haben Sie mit diesem Szenario gerechnet?

Philippe Nantermod: Ich würde sagen, dass dies eine denkbare, aber bedauerliche Möglichkeit war. Wir haben strategische Fehler gemacht, Fehler in der Arbeit. Um es ganz offen zu sagen: Wir haben keinen guten Wahlkampf geführt. Meine Wahl ist ein persönlicher Erfolg, aber ein Misserfolg für die Fraktion.

Wie interpretieren Sie den neuen Aufschwung der SVP?

Zunächst muss man zur Kenntnis nehmen, dass es in der Schweiz nach wie vor eine starke konservative Strömung gibt, die sich hier ebenso gut behauptet wie in ganz Europa. Die konservativen Werte, die die CVP aufgegeben hat, hat die SVP wieder aufgegriffen. Zweitens kann man sich nicht völlig von aktuellen Themen wie der Migrationskrise abkoppeln. Das hat ihnen in die Karten gespielt.

Was waren die Höhepunkte der Kampagne?

Am 11. September fand das Benefizessen mit über 200 Teilnehmern statt. Es war ein Moment des Austauschs mit fantastischen Menschen. Außerdem haben wir zwei Themenabende organisiert: einen in St-Maurice zum Thema «Die Rolle der Frauen im öffentlichen Leben» und einen in St-Gingolph zum Thema Verkehrspolitik. Wir hatten das Glück, talentierte Rednerinnen und Redner zu Gast zu haben, wie die Generalsekretärin der Liberalen-Radikalen Frauen der Schweiz, Claudine Esseivaz, an der Veranstaltung in St-Maurice und den französischen Senator Cyril Pellevat an der Veranstaltung in St-Gingolph. Diese «Meetings» sorgten für einige der Höhepunkte des Wahlkampfs. Dazu gehörten natürlich auch die verschiedenen Märkte am Vormittag. Besonders gut hat mir der Markt in Sion gefallen, wo wir Raclette serviert haben. Was die PLR-Veranstaltungen angeht, war der Parteitag in Sierre der schönste von allen; es waren unglaublich viele Menschen da. An diesem Tag habe ich wirklich geglaubt, dass wir zwei Sitze gewinnen würden. Leider habe ich mich geirrt. Der intensivste Moment war schliesslich der, als mir bewusst wurde, dass ich in Bern sitzen würde. Dieser Augenblick wird mir für immer in Erinnerung bleiben.

Was sind die wichtigsten politischen Vorhaben, die Sie in Bern umsetzen wollen?

Ich vertrete eine liberale Vision der Schweiz. Diese werde ich in Bern mit aller Kraft verteidigen. Auf meiner Website ist mein gesamtes Programm zu finden. Ich habe begonnen, einige Punkte herauszugreifen, für die ich mich im Nationalrat einsetzen werde. Zunächst einmal die Liberalisierung der Gesellschaft unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, was die Liberalisierung des Verkehrs (mit einer Lockerung der Auflagen für den privaten Verkehr, einer Liberalisierung der Buslinien usw.) sowie beispielsweise auch die Liberalisierung der Hotellerie umfasst.

Zweitens möchte ich die individuelle Freiheit verteidigen, die im privaten Bereich bedroht ist. Es ist interessant festzustellen, dass genau diejenigen, die behaupten, das Bankgeheimnis sei vorbei, auch für eine Steueramnestie plädieren. Ich bin jedoch gegen eine Steueramnestie: Es gibt keinen Grund, warum man am Ende seiner Arbeit steuerliche Geschenke erhalten sollte. Wer jedoch seine Steuern gezahlt hat, muss vor dem Eingriff des Staates geschützt sein. Ich möchte nicht, dass der Staat Informationen über mein Einkommen, meine Bankguthaben usw. besitzt. Meine Vorstellung vom Staat ist die eines Staates, der sich um seine hoheitlichen Aufgaben kümmert. Das kann wirtschaftliche, soziale oder auch gesellschaftliche Fragen betreffen.

Ein weiteres meiner politischen Vorhaben betrifft das Zivil- und das Strafrecht. Das Zivilrecht muss modernisiert werden – beispielsweise ist das Erbrecht für Patchwork-Familien nicht geeignet. Was das Strafrecht angeht, so ist es unerträglich lax geworden (beispielsweise im Bereich der Resozialisierung). Ich möchte mich klar für ein abschreckendes Strafrecht einsetzen.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft der PLR aus?

Ich sehe für uns eine vielversprechende Zukunft auf schweizerischer und walliser Ebene. Wir sind eine Gruppierung, die ihren Platz gefunden hat. Diejenigen, die sich stark in der Partei engagierten, hielten uns für zu rechts; diejenigen, die nicht zur FDP gehörten, hielten uns für zu links. Durch den Zusammenschluss mit den Liberalen wurde uns klar, dass wir eine andere Art von Rechten sind: Wir sind keine konservative Rechte, sondern eine liberale Rechte. Das ist eine Art Rückkehr zu den Wurzeln, und es funktioniert. Wir haben eine sehr klare Linie, weshalb wir auf Bundesebene Stimmen gewinnen. Wir müssen uns nicht verstellen, um zu gewinnen. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mich in der Partei noch nie so wohl gefühlt habe wie jetzt.

Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com

Jonas Follonier
Jonas Follonier

Jonas Follonier ist Chefredakteur von «L’Agefi» und Essayist sowie Gründer und Vorsitzender von «Regard Libre».

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