Erzählungen über das Ende der Welt haben alle Epochen überdauert und existieren auch heute noch. Hinter diesen unheilvollen Vorhersagen verbergen sich...
Was wäre, wenn Europa in dem in der Renaissance entstandenen Antagonismus zwischen der christlichen und der wissenschaftlichen Weltanschauung bestünde? Dieser Gegensatz war in den verschiedenen Epochen immer in unterschiedlicher Form präsent. Heute wird er auf einer neuen Ebene ausgetragen: Einige behaupten, dass eine materialistische Weltanschauung angesichts der heutigen physikalischen Theorien nicht mehr möglich sei.
Die Grenze, die in den letzten sechzig Jahrzehnten in den westlichen Ländern zunehmend verpönt war, kehrt in diese Länder zurück. Die Rede von einer Welt ohne Grenzen ist aus mehreren Gründen nicht mehr so verlockend. Die russische Invasion in der Ukraine zeigt eindrücklich, dass es absurd ist, von Unabhängigkeit ohne Territorium zu sprechen. Darüber hinaus wird deutlich, dass die Idee eines vereinten Europas angesichts der zahlreichen Herausforderungen unserer Zeit (Krieg, Terrorismus, Einwanderung ...) die Anerkennung seiner Außengrenzen als Verlängerung der Binnengrenzen der Länder, aus denen es sich zusammensetzt, voraussetzt. Grenzen sind die Markierungen der Geschichte eines Landes: Sie definieren nicht nur die geografischen, sondern auch die kulturellen Konturen des Landes. Dies ist zumindest der Gedanke, den man aus Régis Debrays "Lob der Grenzen" ziehen kann.
DOSSIER «DIE GROSSE RÜCKKEHR DER KERNENERGIE», Jonas Follonier | Klassischer Liberaler? Libertär? Er gehört jedenfalls zu denen, die die Presse gerne als «Neoliberale» oder «Ultraliberale» bezeichnet – Bezeichnungen, die nicht unbedingt positiv klingen. Doch Etiketten und deren Sympathiewert (oder Mangel daran) interessieren uns bei „Le Regard Libre“ kaum. Hier handelt es sich um einen bedeutenden politischen und wirtschaftlichen Analysten, der häufig in den französischen Medien zu Gast ist (und zwar nicht nur bei „L’Opinion“ oder „Le Figaro“) und dessen 2021 erschienener Essay „Les écologistes contre la modernité“, erschienen ist, spannend ist. Man mag mit einem Teil seiner Ansichten, ja sogar mit allen, zutiefst uneinig sein. Dennoch kann eine Auseinandersetzung auf seinem Niveau nur anregend sein. Aus diesem Werk, das eine fundierte Kritik an den antikapitalistischen Grundlagen der radikalen Ökologie liefert, behalten wir insbesondere das leidenschaftliche und gut begründete Plädoyer des Autors für die Industriegesellschaft und die Kernenergie im Gedächtnis.
Jeden Monat stellt Ihnen Le Regard Libre einen Philosophen vor, dessen Denken sich als anders oder sogar gegensätzlich zu...
DOSSIER «MENSCH UND TIER» Lange Zeit beurteilten die Menschen die Tiere nach ihrem eigenen Denksystem, meist um ihre Vorherrschaft über sie zu behaupten. Erst im 20. Jahrhundert wurde das Verhalten von Tieren systematisch erforscht, sodass ein ausgewogenes Urteil über sie gefällt werden konnte. Das Bild, das uns die Wissenschaft vermittelt, ist heute differenzierter. Die meisten unserer großen Gewissheiten - Lachen ist dem Menschen eigen, Tiere haben weder Kultur noch Moral, das Werkzeug macht den Menschen, usw. - sind heute überholt. - sind heute überholt. Wir stellen hier einige der überraschendsten Entdeckungen vor, wie z. B. die Fähigkeit der Tiere, Symbole zu verwenden, oder ihren Sinn für Empathie und Kooperation. Wissenschaftliche Fakten, die sie uns näher bringen und uns helfen, uns selbst besser zu verstehen.
Le Regard Libre Nr. 84 - Antoine Bernhard Dossier «Der Mensch und das Tier» Es ist eine Forderung, die heute in aller Munde ist: Man sollte...
ANALYSE, Olivier Meuwly | «Man könnte argumentieren, dass die Reformfähigkeit kapitalistischer Systeme zum Teil Marx selbst zu verdanken ist», fragt sich Raymond Aron nicht ohne eine gewisse Heiterkeit in seiner berühmten Vorlesung über Marx« Marxismus, die er Anfang der 1960er Jahre an der Sorbonne hielt, ein Jahrzehnt später am Collège de France gehalten und 2002 von Jean-Claude Casanova im inzwischen aufgelösten Verlag Editions de Fallois veröffentlicht wurde. Gibt sich Aron hier seiner gewohnten Ironie hin? Oder muss man sich fragen, ob hinter diesem provokanten Aphorismus nicht nur die tiefe Bewunderung zum Vorschein kommt, die der große französische Liberale dem Gründervater des »wissenschaftlichen Sozialismus“ stets entgegengebracht hat, sondern auch eine Warnung an diejenigen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, eben diesen Kapitalismus zu analysieren … oder zu praktizieren?
LANGARTIKEL, Danilo Heyer | Oft hört man diesen Spruch: «Man darf weder Pessimist noch Optimist sein, sondern muss Realist sein!» Nun gut, hüten wir uns davor, die Zukunft zu beschönigen. Dennoch erweist sich diese Haltung als völlig unzureichend für denjenigen, der wissen möchte, ob die Welt im Wesentlichen gut oder böse ist; ob das Leben lebenswert ist; ob die Existenz sich rechtfertigen lässt. Dazu müsste man ein metaphysisches Urteil fällen, wozu dieser Realismus jedoch nicht in der Lage ist. Man kennt Arthur Schopenhauer, diesen deutschen Philosophen des 19. Jahrhunderts, vor allem für seinen radikalen Pessimismus. Hat er der Welt jedoch wirklich nur eine Philosophie eines verbitterten Menschen geboten, wie manchmal behauptet wird? Eine aufmerksame Lektüre offenbart eine überraschende Mischung aus Pessimismus und Optimismus im Kern einer praktischen Philosophie, die sich als klar und für jeden Einzelnen von großem Nutzen erweist. Ist Glück letztendlich doch erreichbar?