DOSSIER «SEX OHNE KOMPLEXE» | Der 2007 verstorbene französische Historiker René Rémond hat die Antwort auf diese Frage in einer schockierenden Formel zusammengefasst: Sex, so schrieb er 1987, sei 1968 in die Politik gekommen. Dieser Aphorismus impliziert, dass Sex und Politik vor diesem Datum in getrennten Sphären lebten und sich allenfalls im Privatleben der politischen Akteure begegneten.
In der Schweiz, in Frankreich und im Grunde überall in Westeuropa und den USA, mit länderspezifischen Abstufungen, sieht die Linke nicht mehr aus wie sie selbst. Die Geschichte eines großen wahlpolitischen Umschwungs.
Was wäre, wenn Europa in dem in der Renaissance entstandenen Antagonismus zwischen der christlichen und der wissenschaftlichen Weltanschauung bestünde? Dieser Gegensatz war in den verschiedenen Epochen immer in unterschiedlicher Form präsent. Heute wird er auf einer neuen Ebene ausgetragen: Einige behaupten, dass eine materialistische Weltanschauung angesichts der heutigen physikalischen Theorien nicht mehr möglich sei.
Angesichts der Misserfolge des 20. Jahrhunderts hat die Linke ihr Terrain gewechselt. Jahrhunderts. Die Linke, die sich mehr um das Schicksal von Minderheiten als um die Arbeiter kümmert, enttäuscht. Doch aus der Asche der Verdrossenheit erwächst ein seltsames Gefühl: Melancholie. Dieser Affekt erweist sich als Schlüssel für eine Rückkehr der «wahren Linken».