Laurent Eltschinger, das neue Westschweizer Urgestein des Regionalkrimis

4 Leseminuten
geschrieben von Jonas Follonier · 23. Oktober 2022 · 2 Kommentare

Dieser begeisterte Anhänger von Georges Simenon und Frédéric Dard wird auch weiterhin für Gesprächsstoff sorgen. Mit Sei etwas nachsichtiger, erschienen im August, Laurent Eltschinger ist der dritte Band einer fünfteiligen Krimireihe, die in der Westschweiz spielt und ein breites Publikum anspricht.

Er ist überall. Nicht in der Presse (obwohl), sondern auf Literaturmessen, auf Kunsthandwerksmärkten, in Ihren Straßen. Der 50-jährige Laurent Eltschinger arbeitet viereinhalb Tage pro Woche als Dokumentarist, verbringt den Rest seiner Zeit jedoch damit, unsere Region zu durchstreifen, um die Westschweizer zu treffen. Allein schon anlässlich der Veröffentlichung seines neuesten Buches, Gib etwas Wasser in deinen Wein!, dessen Haupthandlung in Chamoson (VS) spielt, hat der Autor rund 70 Termine in der gesamten Westschweiz angesetzt. Das Ziel: zu zeigen, dass es in diesem Segment, das bereits auf die beiden Vorzeigeautoren Marc Voltenauer und Nicolas Feuz setzt, noch weitere Autoren gibt.

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Und sein Ansatz kommt gut an. Bei jedem neuen Abenteuer von Kommissar Jean-Bernard Brun, dem wiederkehrenden Helden seiner Krimis, sind mehrere Tausend Leser mit von der Partie. «Im Allgemeinen ist die Krimiliteratur für den Normalbürger viel zugänglicher», bemerkt der Autor. «Und ich stelle fest, dass viele Leser gerne Geschichten entdecken, die direkt vor ihrer Haustür spielen.» Diese regionale Verankerung hat sich übrigens nicht aus Opportunismus in das literarische Projekt von Laurent Eltschinger eingeschlichen: Es sind die Orte mit ihrer stimmungsvollen Ausstrahlung, die jeden einzelnen Satz des in Posat (FR) ansässigen Autors inspirieren.

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Seine Romane, die bei Editions Montsalvens in rascher Folge erscheinen – bereits drei Veröffentlichungen in vierzehn Monaten –, verbinden persönliche Themen mit gesellschaftlichen Fragen wie Ökologie oder Religion und zeugen von einem gewissen Engagement. «Seit den 80er Jahren war der Krimi einer der bevorzugten Orte für soziale und politische Kritik. Diese Dimension des Kriminalromans hat sich erheblich abgeschwächt und ist schließlich gänzlich verschwunden. Als Leser bedauere ich, dass der Krimi kein Raum mehr für Meinungsäußerung ist, sondern nur noch eine Ermittlung mit überraschenden Wendungen. Als Autor möchte ich dem abhelfen.» So erweist sich die regionale Prägung, die Laurent Eltschinger vor dem Hintergrund von Ironie und Anspielungen reichlich ausschöpft, auch als Vorwand für eine Rückkehr zu den Wurzeln des Genres. Ein Tipp für alle Liebhaber des Genres.

Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com

Bild: Der Romanautor Laurent Eltschinger © Véronique K.

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«Eine zweiwöchige Kur in Ovronnaz (VS) ist für Jean-Bernard Brun, Polizeikommissar der Sicherheitspolizei von Freiburg, kein Zuckerschlecken. Er wird sich zwar an seine täglichen Termine im Thermalbad halten, aber ansonsten wird er im Weindorf Chamoson sicherlich genug zu tun finden. Am Vorabend des Beginns der Weinlese verschwindet eine Frau. In der Ortschaft hinterlässt dieses Ereignis einen bitteren Nachgeschmack. JiBé wittert Unheil. Die Lage scheint sich nicht zu klären, und die Stimmung wird so angespannt wie die Rebstöcke, für die er zuständig ist. Wird er in das Glas spucken? Selbst wenn es zu Pannen kommt – er sollte lieber seine eigenen Ermittlungen anstellen, bevor die Sache sauer wird! Und er wird sich daran erfreuen…»

Laurent Eltschinger
Gib etwas Wasser in deinen Wein!
Montsalvens Verlag
2022
314 Seiten

Jonas Follonier
Jonas Follonier

Jonas Follonier ist Chefredakteur von «L’Agefi» und Essayist sowie Gründer und Vorsitzender von «Regard Libre».

2 Kommentare

  1. Deya
    Deya · 17. April 2023

    Ich habe gerade "Sur le plancher des vaches" mit einem Lächeln auf den Lippen zu Ende gelesen: eine großartige Geschichte/Handlung, so schön erzählt, mit Worten aus unserer Heimat!
    Vielen Dank, Herr Schriftsteller ….
    Ich freue mich darauf, wieder von Ihnen zu hören
    Deya

  2. Samuel Genin
    Samuel Genin · 08. März 2023

    Herr Eltschinger,

    Dieser Krimi – der eigentlich gar keiner ist – ist wunderbar erzählt.
    Jibé muss euch sehr ähnlich sein.
    Trotz der Verwirrung, die die Handlung stiftete, habe ich das Buch verschlungen – wie eine Fülle von Landschaften, Gerüchen, Geschmäckern und Emotionen.
    Da ich aus Chablis stamme und in Freiburg lebe, hat mich das umso mehr berührt.
    Nochmals vielen Dank.

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