Die Geister von James Robert Baker stolzieren mit der Schlinge um den Hals herum
James Robert Baker fängt etwas ganz Bestimmtes ein: das Amerika der Hollywood-Träume, das sich in einen moralischen Sumpf verwandelt hat. Foto: Quentin Perrissinotto für Le Regard Libre
Der verfluchte Roman eines skandalträchtigen Autors der amerikanischen Literatur erscheint endlich. Eine LSD-Odyssee durch Hollywood, zwischen schwarzer Satire und paranoider Schwindelgefühlen.
Weisse Teufel ist das testamentarische Bekenntnis eines psychotischen Schriftstellers. Aber auch das des Autors des Buches, James Robert Baker (1946–1997), eines Provokateurs, der zum literarischen Ausgestossenen wurde. In den Vereinigten Staaten überall abgelehnt, wurde sein Manuskript nach seinem Selbstmord rund dreissig Jahre lang in Kartons verstaut. Bis sich der Verlag Monsieur Toussaint Louverture Anfang 2026 entschloss, es wieder ans Licht zu bringen. Weisse Teufel erscheint also weltweit zum ersten Mal – und das sogar auf Französisch!
Ein mitreissender Roman, ein reines Produkt der amerikanischen Gegenkultur, ein Buch voller satirischer Heftigkeit, ein Epos über romantische Soziopathen, Weisse Teufel ist ebenso sehr ein Schrei der Erleichterung wie ein Schrei der Verzweiflung eines Romanciers, der seiner Wut freien Lauf lässt.
Romanhafte Umsetzung eines gestörten Geistes
Die Geschichte ist zwar nicht autobiografisch, weist jedoch dieselben Verläufe und dieselbe Dynamik auf wie die Karriere von James Robert Baker: eine unbändige Wut auf die Konservativen, eine Faszination für die Selbstzerstörung und die Angst vor dem sozialen Abstieg, angefacht durch ein Gefühl der Verlassenheit, das an das Gefühl der Verfolgung grenzt.
Der Autor des Romans heisst Tom Dunbard. Er hatte grossen Erfolg mit einem True Crime, und all den damit verbundenen Komfort: ein schickes Auto, eine wunderschöne Villa an der Küste von Los Angeles und edler Schmuck zum Verschenken. Doch der Misserfolg seines zweiten Buches lässt ihn langsam in den Ruin abrutschen und untergräbt seine Privilegien. Sein Leben droht zusammenzubrechen.
In einem letzten verzweifelten Versuch verwandelt er seine Paranoia in ein kriminelles Vorhaben: einen Mord aus dem Nichts zu inszenieren, der für grosses Aufsehen sorgen wird. Und ihn wieder zu einem berühmten Mann macht. Um seinen Lebensstil aufrechtzuerhalten, muss man manchmal den Tod herbeiführen. Als ob der einzige Weg, im Mittelpunkt der Geschichte zu bleiben, darin bestünde, erneut eine Katastrophe zu provozieren.
Ein langes Geständnis unter LSD-Einfluss
Das ist noch nicht alles, denn das machiavellistische Unterfangen weicht einem romanhaften. Tom hat seinen morbiden Wahnsinn vollständig dokumentiert und auf Kassetten aufgezeichnet. Und die Transkription davon ist dieses Buch, das der Leser gerade in den Händen hält.
Dieser erschreckende, von Amphetaminen getriebene Abstieg eines Hollywood-Paares in die Hölle ist ein Spiel mit zerbrochenen Spiegeln. Man taucht in diesen Roman ein wie in die Toiletten eines Nachtclubs nach einem Schnaps zu viel: Die Schatten schwanken, die Dialoge springen einem entgegen und Reflexionen, die seltsam fern wirken, zerschellen am Eis des Waschbeckens.
Zwischen bissiger Satire auf den kalifornischen Traum, extrem zynischem schwarzem Humor und halluzinatorischen Bekenntnissen auf Audiokassetten entfaltet sich der Roman wie ein Film der Coen-Brüder auf Kokainrausch. Alles ist übertrieben: die Diskussionen, die Gewalt, die Neurosen, der Hass in der Ehe, der gescheiterte Ehrgeiz.
Hinter dieser fast grotesken Masslosigkeit fängt James Robert Baker etwas ganz Bestimmtes ein: das Amerika der Hollywood-Träume, das sich in einen moralischen Sumpf verwandelt hat. Er fängt den Schwindel ein, der dem Verlust vorausgeht, das Gespenst der ehemaligen Privilegien, die in Fetzen liegen. Die Katastrophe ist verhängnisvoll, denn sie beschleunigt den Untergang, den er eigentlich verhindern wollte.
Vom Leben erschöpft
Bei James Robert Baker wird deutlich, dass die Figuren nicht mehr wirklich danach streben, gerettet zu werden: Sie wollen lediglich den Moment hinauszögern, in dem die Welt endgültig aufhört, sie zu beachten.
Hinter seiner Fassade als schräger Thriller und schwarze Farce entpuppt sich der Roman als Vermächtnis eines Schriftstellers, der sich weigert, still und leise zu verschwinden. Jede Szene wird bis an ihre Grenzen getrieben und verwandelt den Untergang in ein glühendes Spektakel. Dreissig Jahre, nachdem er zum Vergessen verurteilt wurde, vollzieht James Robert Baker damit eine literarische Wiederauferstehung, die ebenso verstörend wie unmöglich zu ignorieren ist. Selten hat ein so grenzüberschreitendes Buch den Eindruck vermittelt, so viel Leben in sich zu bergen, gerade in dem Moment, in dem alles zusammenbricht.
Jeden Monat, Quentin Perissinotto bemüht sich, ein literarisches Werk durch ein Kaleidoskop zu betrachten, um die Bilder einzufangen, die es wirft, und ihre Beugungsmuster wiederzugeben. Auch wenn sich die Geistesblitze am Ende als Glassplitter entpuppen sollten.
Schreiben Sie dem Autor: quentin.perissinotto@leregardlibre.com
Sie haben soeben einen frei zugänglichen Beitrag gelesen, der in unserer Printausgabe veröffentlicht wurde (Le Regard Libre Nr. 128). Debatten, Analysen, Kulturnachrichten: abonnieren Sie zu unserem Reflexionsmedium, um uns zu unterstützen und Zugang zu all unseren Inhalten zu erhalten.

James Robert Baker
Weisse Teufel
Übersetzt aus dem Englischen von Yoko Lacour
Herr Toussaint Louverture
Februar 2026
288 Seiten
Einen Kommentar hinterlassen