No Billag-Kampagne: Eine Chance für die Presse, sich neu zu erfinden
Zeichnung von Nathanaël Schmid für Le Regard Libre
Die «No Billag»-Initiative, so extrem sie auch sein mag, hat interessante Fragen über die Medien in der Schweiz aufgeworfen, von denen die wichtigste lautet: Wollen wir staatliche Radio- und Fernsehsender finanzieren? Die demokratische Debatte, die stattgefunden hat, ist hoffentlich nur der Anfang einer breiteren Diskussion über die Aufgaben des öffentlichen Dienstes und den Journalismus in der Schweiz.
Neben der grundlegenden Frage nach der Rolle des Staates im Hinblick auf die Information stellt sich natürlich auch die Frage nach dem Journalismus im Allgemeinen. Eine Frage unter vielen: Warum sollten Radio und Fernsehen von einer nationalen Struktur profitieren, die durch eine den Bürgern auferlegte Gebühr finanziert wird, die Printmedien jedoch nicht?
Man hat es schon oft gehört – vielleicht sogar zu oft: Die traditionellen Medien seien in der Westschweiz in Gefahr, da sie sich der wirtschaftlichen Diversifizierung der Verlage stellen müssten, für die die Presse bei weitem nicht die oberste Priorität darstelle. Diese Situation äußert sich insbesondere in Personalabbau, eine Regel, der Die Zeit, zum Beispiel, bildet da keine Ausnahme. Zudem verlagert sich die Werbung nach und nach von den Zeitungen ins Internet, was deren Finanzierung faktisch gefährdet.
Wirtschaftliche Veränderungen gab es jedoch schon immer; sie sind lediglich Ausdruck der gesellschaftlichen Entwicklung oder manchmal sogar deren Vorboten oder gar Auslöser. Die neue Situation der Printmedien sollte nicht als Belastung, sondern als Herausforderung betrachtet werden. Diese Haltung ist sicherlich schwierig, aber unverzichtbar. Wir sollten nicht über die Vorherrschaft des Internets klagen, sondern uns darauf einlassen. Wir sollten uns nicht auf die reine Information versteifen, sondern sie durch Reflexion ergänzen. Reduzieren wir nicht den Umfang unserer Arbeit; vervierfachen wir ihn. Versuchen wir nicht, auf Kosten einer anspruchsvollen Auseinandersetzung mit Kultur und der Debatte über Ideen für «Buzz» zu sorgen; bemühen wir uns vielmehr, deren Bedeutung aufzuzeigen.
Abschluss in Philosophie und von Beruf Journalist, Jonas Follonier ist Gründer und Chefredakteur des Regard Libre. Schreiben Sie an den Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
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