«Die göttliche Ordnung»: Wenn der Mut einer Frau in eine feministische Karikatur umschlägt

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geschrieben von Loris S. Musumeci · 21. Juni 2017 · 2 Kommentare

Mittwochs im Kino - Loris S. Musumeci

«Ich will nicht als Hausfrau in einem Loch enden!»

Nora (Marie Leuenberger) führt ein flaches, unterwürfiges Dasein in einem kleinen, abgelegenen Dorf in der Ostschweiz. Durch die Teenagerrevolte ihrer Nichte und die feministischen Proteste aus der Stadt stellt sich die Mutter immer mehr die Frage nach ihrem Platz in der Gesellschaft. «Sag mal, wie würdest du es finden, wenn ich wieder arbeiten würde?», sagte sie zu ihrem Mann, als sie von einer Anzeige der Kuoni-Agentur für eine Sekretärin geweckt wurde. Als ihr Mann sich weigert, auf die Frage einzugehen, sagt sie: «Und du kannst nichts ohne meine Erlaubnis tun. Das ist das Gesetz.»

Dieses Gesetz muss geändert werden. Der Kampf kann beginnen! Im Dorf bildet sich unter der Leitung von Nora ein kleiner Frauenverein, der Respekt einfordert. Zu ihr gesellen sich ihre Schwägerin Teresa, die in einer unglücklichen Ehe lebt, die exzentrische Madame Vroni und Graziella, eine italienische Einwanderin. Auch wenn sie entschlossen vorgehen, verläuft ihr Vorhaben nicht ohne große Schwierigkeiten. Die Männer scheinen nicht bereit zu sein, diese «göttliche Ordnung» zu erschüttern, die sie zu Herren erhebt.

Unter tosendem Applaus

Die Regisseurin Petra Biondina Volpe wird in der Schweiz von allen Seiten gefeiert. „Was für ein Mut, sich an ein solches Thema heranzuwagen“, schwärmen die stolzen Deutschschweizer. „Ein Film, der von einer wichtigen Episode der Geschichte erzählt und damit selbst in die Geschichte eingeht“, betonen die scharfsinnigsten Kritiker. Diese Begeisterung wird übrigens durch den Beifall bestätigt, der Die göttliche Ordnung beim Schweizer Filmpreis, der ihm drei bedeutende Auszeichnungen verlieh, beim Tribeca Film Festival, das ihn ebenfalls mit drei Preisen ehrte, sowie bei den Solothurner Filmtagen.

Man kann sich dieser Welle der Bewunderung hinsichtlich der Themenwahl nur anschließen. Tatsächlich ist sie von großer Tragweite. Zudem möchte die Zürcher Firma Filmcoopi mit ihrer neuen Produktion all jenen Frauen Tribut zollen, die sich einst erhoben haben, um einen würdigen Status und die gleichen Rechte wie die Männer einzufordern. Und doch ist dies – abgesehen von den philosophischen Problemen, die die feministische Ideologie an sich bereits aufwirft – nicht nur ein künstlerisches Versagen, sondern auch eine hübsche, leicht tendenziöse Moralpredigt.

Liebe deine Vagina

Karikaturen und Übertreibungen gibt es in diesem Film zuhauf. Angefangen bei denen, die im Rahmen einer Demonstration im Stil der 68er-Bewegung zur Schau gestellt werden, an der Nora, ihre Schwägerin und Frau Vroni zaghaft teilnehmen. Dort wird «Frauenrechte, Menschenrechte!» gerufen – soweit so gut. Doch dann kommt noch hinzu: «Nieder mit dem Patriarchat!». Na klar! Vielleicht müsste man diese Gänse daran erinnern, dass die Abschaffung des Patriarchats gleichzeitig auch die Beseitigung der damit einhergehenden weiblichen und mütterlichen Autorität bedeutet, nämlich des Matriarchats.

Nach der Straßenfarce versammeln sich die Frauen in einem Raum, um am Workshop einer gewissen Indra teilzunehmen, die aus Schweden angereist ist, um den Schweizerinnen zu mehr Körperbewusstsein zu verhelfen. Dort erreicht man zweifellos den siebten Himmel der Lächerlichkeit. Die spirituelle Leiterin lehrt ihre Anhängerinnen: «Deine Muschi zu kennen, heisst, dein Vergnügen zu kennen.» Es folgen Prophezeiungen wie «Liebe deine Vagina, und der Orgasmus wird kommen.» Schließlich erhalten alle Teilnehmerinnen einen Spiegel, um ihr Geschlechtsorgan zu betrachten, das sie natürlich noch nie gesehen hatten, da man die Frauen von früher für Idiotinnen hielt, die von nichts eine Ahnung hatten. «Love your vagina», motiviert Indra, die Femen-Aktivistin vor ihrer Zeit, erneut. Abschließend entdeckt Nora, dass sie «einen Tiger zwischen den Beinen» hat, auch «Eye of God» genannt.

Erste Abstimmung

Auch die männliche Seite bleibt von solchen Unfeinheiten nicht verschont. Hans, Noras Ehemann, erlebt ebenfalls einen Höhepunkt in seiner Befreiung von den Fesseln der Gesellschaft. Er lehnt sich gegen seinen Vater auf, lernt kochen und genießt das Essen in Unterwerfung gegenüber dem „Tiger“ seiner Frau, die ihm diese Geste so freundlich anbietet – untermalt von der kitschigen Musik der Geigen. Am Ende isst er sogar ein leckeres Spaghetti-Gericht mit der ganzen Familie – eine Anspielung auf die Integration der Italiener in der Schweiz. Ein neuer Mensch, offen für das Andersartige, mit einem Blick voller Glück. Das ist so süß!

Die göttliche Ordnung sieht zudem, wie all diese Frauen vor und nach dem Erhalt ihres ersten Wahlrechts ganz offensichtlich von Traurigkeit zu Freude wechseln. Hätte man früher von den beglückenden Wirkungen des Einwurfs eines Stimmzettels in eine Wahlurne gewusst, hätte man diesen bürgerlichen Akt schon früher als Antidepressivum verschrieben. Auch hier zeigt sich wieder das Talent der Regisseurin, die Ereignisse in all ihren Nuancen einzufangen! Sie ist übrigens so begabt, dass sie zum Abschluss lieber den Bildern aus den 70er Jahren Raum gibt, die zumindest echte Frauen zeigen, denen in ihrem Kampf echte Verdienste zukommen.

«Deine Zeit ist vorbei, und so ist es besser.»

Schreiben Sie dem Autor: loris.musumeci@leregardlibre.com

Bildnachweis: © cinergy.ch

2 Kommentare

  1. Le Regard Libre
    Le Regard Libre · 27. Juni 2017

    Loris S. Musumeci antwortet in eigenem Namen, ohne die übrige Redaktion zu verpflichten.

    Lieber "E. Rosset",

    Ich gebe gerne zu, dass Ihnen der Artikel nicht gefällt. Sein polemischer Stil, seine Verteidigung des Patriarchats und seine Kritik an einem Thema, das auf karikaturistische Weise behandelt wird, stören Sie vielleicht. Bitte seien Sie jedoch in Zukunft so umsichtig, Ihre Äußerungen zu nuancieren und sie vorzugsweise näher auszuführen. Leidenschaftliche Kommentare interessieren uns hier nicht.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Loris S. Musumeci

  2. E. Rosset
    E. Rosset · 22. Juni 2017

    Ich habe selten einen so blöden Artikel gelesen.

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