«Die Stadt der Träume», der Anti-Krimi

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geschrieben von Mathieu Vuillerme · 25. Juli 2023 · 0 Kommentare

Nach einem ersten Band Die Stadt in Flammen, kehrt Don Winslow in diesem Jahr mit Die Stadt der Träume, Eine Art lange Reise, diesmal inspiriert von Die Aeneis von Virgil. Wie gut ist die Fortsetzung von Danny Ryans Abenteuern zwischen Wanderungen und Erkenntnissen?

Danny Ryan hat nichts mehr. Der Krieg gegen die Italiener ist verloren, seine Frau ist gestorben, ebenso wie die meisten seiner Freunde, und die Flucht der Besiegten bleibt die einzige Option. Auf ihrem Weg nach Los Angeles öffnen sich der kleinen Truppe die Tore Hollywoods, einer neu erfundenen Hölle, die sie vielleicht alle zu Fall bringen wird.

Einen Roman von Don Winslow zu lesen, ist immer ein Erlebnis. Zunächst einmal ein angenehmes, denn man sieht sich einer Geschichte gegenüber, die komplex und zugleich flüssig ist – tiefgründig, aber einfach. Dann jedoch unangenehm, denn alles in der Welt des Krimis wirkt fade, wenn man das Buch aus der Hand legt und den Autor um die Leichtigkeit beneidet, mit der er eine so weitverzweigte Erzählung in flüssiger Sprache aufbaut, ohne dabei jemals den Leser aus den Augen zu verlieren.

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In Die Stadt der Träume, genau diese Eindrücke vermittelt das Lesen. Auch wenn die Geschichte fast nahtlos an den vorherigen Band anknüpft, hebt sie sich doch sofort davon ab. Von einem Bandenkrieg im engeren Sinne ist hier keine Rede mehr; die meisten Figuren, die man in Die Stadt in Flammen werden schnell abgebaut, und die ganze Lebhaftigkeit weicht einer Art Antriebslosigkeit.

Aeneas geht nach Hollywood

Wie in Die Stadt in Flammen, Don Winslow greift auf griechisch-römische Mythen zurück, um damit den Hintergrund seiner Handlung zu gestalten. Doch während im ersten Buch noch Zweifel hinsichtlich der Inspiration für die Figur des Danny Ryan aufkommen konnten, wird in diesem Roman eindeutig deutlich, dass er auf Die Aeneis von Vergil. Genau wie der Held wurde Danny von den Kämpfen des Trojanischen Krieges ausgeschlossen und nach dem Tod seiner Frau ins Exil gezwungen, bevor er an die Küsten der Unterwelt trieb.

In Die Stadt der Träume, wird das Reich des Hades durch Hollywood symbolisiert. Zugegeben, vielleicht auf etwas zu stereotype Weise. Ein wahrer Sumpf, in dem Mafia, Produzenten und andere Mütter von Kinderstars versuchen, sich zu profilieren und den großen Gewinn zu erzielen – das ist der Nährboden, den Don Winslow nutzt, um den berühmten amerikanischen Traum und die eitlen Viertelstunden des Ruhms zu kritisieren. Auch wenn das Unterfangen unterhaltsam ist, wirkt es doch vielleicht etwas veraltet und lässt vor allem die Handlung ziemlich stark ins Stocken geraten. Tatsächlich scheint der Schreibstil nach dem ersten Teil, der als Bestandsaufnahme dient, schwerfälliger zu werden, und die Erzählung stagniert, bis sie in einer Art ziemlich überraschendem ’Anti-Krimi« endet.

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Auch wenn der Thriller keine festgelegten Formen und keine festen Elemente hat, ist der zweite Teil von Die Stadt der Träume lässt sein Thema und viele seiner Protagonisten außer Acht, um sich stattdessen parallel dazu auf eine banale Liebesgeschichte und zwei kaum charakterisierte Figuren zu konzentrieren. Diese dramaturgische Entscheidung, gepaart mit der sofortigen Zunichtemachung fast aller im vorherigen Band offen gelassenen Handlungsstränge, verleiht diesem Roman einen sehr seltsamen Charakter. Ein bisschen so, als ob Michael Corleone aus dem Pate in die Flitterwochen ins Ausland fuhr und man eine Stunde lang im Film nicht mehr über seine Angelegenheiten sprach.

Das Ergebnis ist eine Lektüre, die zwar durchweg angenehm ist, bei der man sich aber fragt, ob sie uns irgendwohin führen wird. Auch die im Prolog aufgebaute Spannung bleibt bestehen, doch ihre Auflösung verblasst im Vergleich zu dem, was Winslow in der Vergangenheit geschrieben hat. Nicht zu vergessen die Freude, liebenswerte Figuren bei der Fortsetzung ihrer Abenteuer wiederzusehen.

Schreiben Sie dem Autor: mathieu.vuillerme@leregardlibre.com

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Don Winslow
Die Stadt der Träume
HarperCollins France 
2023 
432 Seiten

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