Wirtschaft Erzählung

Traumberuf: «Angestellte/r»

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geschrieben von Jonas Follonier · 01. März 2026 · 0 Kommentare

Jeder kennt Elon Musk, aber kaum jemand will Unternehmer werden. Trotzdem fasziniert das Unternehmertum, wie unsere Mikrotrottoirs mit Jugendlichen in Lausanne und Zürich zeigen.

In der kollektiven Vorstellung scheint der Unternehmer eine vertraute, aber vage Figur zu sein. Die vom Schweizer Monat und Le Regard Libre auf beiden Seiten der Saane zeigen, dass diese Vorstellung eine falsche Selbstverständlichkeit ist. Wenn die befragten Jugendlichen sagen, dass sie eine Vorstellung davon haben, was ein Unternehmer ist, sind ihre Antworten oft ähnlich, aber nicht sehr präzise: Er organisiert das Unternehmen, leitet es und sorgt dafür, dass «das Geld reinkommt». Der Unternehmer scheint in erster Linie als Manager gesehen zu werden, und die beiden Begriffe werden von der großen Mehrheit der Jugendlichen als Synonyme betrachtet.

Akzeptanz des Scheiterns

Einige Teilnehmer betonen jedoch ein zentrales Merkmal, das repräsentativer ist und mit dem Unternehmertum in Verbindung steht: die Risikobereitschaft. Der Unternehmer erkennt Marktlücken und bietet Produkte oder Dienstleistungen an, die diese Lücken schließen«, erklärt ein junger Deutscher an der Züricher Seepromenade. »Es ist immer gut, Dinge zu erfinden, die es noch nicht gibt«, meint ein Jugendlicher im Flon-Viertel in Lausanne. Kurz gesagt: Ein Unternehmer »kurbelt die Wirtschaft an, indem er ein Unternehmen gründet«. Und »im Idealfall profitiert er davon«.

Risiken einzugehen bedeutet auch, Misserfolge zu akzeptieren. Nach ihrem letzten persönlichen Misserfolg befragt, nennen viele Teilnehmer alltägliche Situationen - häufig misslungene Prüfungen -, die jedoch als Lernchancen interpretiert werden. «Ich scheitere jeden Tag, aber dadurch kann ich wachsen und viel lernen», erklärt ein Passant aus der Deutschschweiz. Ein Mann aus der Romandie berichtet von seiner ersten unternehmerischen Erfahrung: «Einmal habe ich mit Freunden Getränke gekauft, um sie teurer zu verkaufen, aber das hat nicht so gut funktioniert.»

Risiken sind im Leben eines jeden Menschen präsent. Jeden Tag bewerten wir - oft unbewusst - unzählige Risiken, bevor wir Entscheidungen treffen. Ob wir es wollen oder nicht, sind wir alle professionelle Risikoanalysten. Mit anderen Worten: Wir alle tragen diese Veranlagung in uns, die insbesondere erfolgreiche Unternehmer auszeichnet. Die jüngere Generation geht ebenfalls bewusst Risiken ein, aber in der Regel fernab der Geschäftswelt und des Unternehmertums, z. B. durch ein Auslandsstudium oder riskante Freizeitbeschäftigungen, wie sie selbst erwähnen. Eine wichtige Voraussetzung, um den zweifellos riskanten Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, ist damit erfüllt.

Autorität und Widerstand

Auf der Liste der Eigenschaften, die man braucht, um sich in ein unternehmerisches Abenteuer zu stürzen, nennen unsere Gesprächspartner regelmäßig Entschlossenheit und Autorität. Hinzu kommen die Fähigkeit, andere zu überzeugen, sowie die Fähigkeit, zuzuhören. Bemerkenswert ist, dass bei näherer Betrachtung das autoritäre Bild des Chefs dem eines Dirigenten weicht, der in der Lage ist, eine Richtung vorzugeben und dabei sein Umfeld zu berücksichtigen.Auch Mut, Stressresistenz und Optimismus werden häufig als Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start als Unternehmer genannt. Aus der Sicht der Befragten scheint es, dass Unternehmertum vor allem eine mentale Bereitschaft erfordert, Rückschläge zu überwinden.

Wenn es um Unternehmerfiguren geht, fallen einem sofort die großen, weltbekannten Namen der «Superreichen» wie Elon Musk oder Jeff Bezos ein. Ein Deutschschweizer wiederum nennt seinen Vater, «der mit einem Kollegen ein Start-up-Unternehmen gegründet hat». Ein anderer erwähnt Peter Spuhler, den Thurgauer Unternehmer und Politiker, der aus dem kleinen Unternehmen Stadler Rail einen international erfolgreichen Hersteller von Schienenfahrzeugen gemacht hat. Darüber hinaus ist er der Ansicht, dass die Leiter der zahlreichen KMU, Handwerker, Friseure oder Gärtner das eigentliche «Rückgrat der Schweizer Wirtschaft» bilden.

Sicherheit versus Unabhängigkeit

Möchten die Jugendlichen, mit denen wir gesprochen haben, selbst Unternehmer werden? Die meisten von ihnen wollen das nicht, so die klare Schlussfolgerung unserer Umfrage, die in dieser Hinsicht hoffentlich nicht repräsentativ ist. Die häufigste Antwort lautet: «Ich bin lieber angestellt». Einige sind auch von der motivierenden und befriedigenden Vorstellung angetan, ihren Angestellten ein monatliches Gehalt zahlen zu können. «Ich könnte mir vorstellen, ein eigenes Unternehmen zu gründen, aber der Weg dorthin scheint mir ziemlich schwierig zu sein».»

Schwierig? Sicherlich ist es schwierig. Ist es machbar? Auf jeden Fall. Die Antworten vieler junger Menschen spiegeln einen tiefen Respekt - oft sogar Bewunderung - für Unternehmer und ihre Leistungen wider. Alles beginnt mit einer guten Idee, die sich von anderen abhebt und einem Marktbedürfnis entspricht. Dann braucht man «einen guten Businessplan», wie ein potenzieller zukünftiger Unternehmer sagt. Aber wie geht es weiter?

Mit diese Sonderausgabe, Wir wollen Hindernisse aus dem Weg räumen, inspirieren und informieren. Wir wollen jungen Menschen die ersten Schritte in die Selbstständigkeit erleichtern, damit aus dem «Traumberuf Angestellter» ein Traumleben als Unternehmer werden kann.

Journalistin von Beruf, Jonas Follonier ist Gründer und Chefredakteur des Regard Libre. Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com.

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Jonas Follonier
Jonas Follonier

Bundeshauskorrespondent für «L'Agefi», Singer-Songwriter, Jonas Follonier ist Gründer und Chefredakteur von «Regard Libre».

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