«Yann Moix macht sich lächerlich mit »Schluss machen".

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geschrieben von Loris S. Musumeci · 22. Januar 2019 · 0 Kommentare

Bücher am Dienstag - Loris S. Musumeci

«Das sind die Worte eines verzweifelten Mannes. Das sind die Worte eines Mannes, der nicht mehr weiß, wie er sein Leiden beenden kann, und versucht, Selbstmord zu begehen, ohne zu sterben; das sind die Sätze eines Mannes, der sich durch sein Geständnis das Leben nimmt.»

Unter der Bezeichnung „Roman“, Schluss machen präsentiert sich als journalistisches Interview eines gewissen Gaspard Lenoir mit Yann Moix. Dem Autor geht es nicht gut. Seine Freundin Emmanuelle hat ihn verlassen, «vor zehn Monaten, am Samstag, dem 16. September 2017, gegen 15 Uhr.» Von Frage zu Frage schildert Yann Moix sein ganzes Unglück. Schluss machen handelt von einer Trennung, die sowohl tragisch als auch lächerlich ist. 

Das Lächerliche ist geradezu ein wesentlicher Aspekt dieses Buches, das Anfang des Jahres erschienen ist. Angefangen bei seinem Schutzumschlag. In einem geschmacklosen Lila, das sowohl ins Graue als auch ins Rosa tendiert, prangt der – an sich schon lächerliche – Titel in geschwungenen, kursiven Buchstaben. Ehrlich gesagt, erinnert der Einband stark an einen Kitschroman. Sein Duft erfüllt die gesamte Buchhandlung, und seine Kitschigkeit tropft förmlich von den Regalen. Was in Wirklichkeit eine gute Marketingmethode ist. Zumindest bleibt das kleine Werk nicht unbemerkt.

Das Lächerliche beschränkt sich nicht nur auf die Form; auch der Inhalt strotzt nur so davon. Ganz einfach, weil Yann Moix ein zutiefst lächerlicher Mensch ist. Was für eine Idee, ein Interview vorzutäuschen, das man dreist als Roman bezeichnet, um von einer Trennung zu erzählen, die niemanden interessiert! Und als ob das noch nicht genug wäre, verkündet der Schriftsteller stolz, dass er es eigentlich war, der sie verlassen hat, schwelgt in seinen verzweifelten Gemütszuständen, stellt seine außergewöhnliche Unaufrichtigkeit zur Schau und spritzt seine üblichen Übertreibungen und abwegigen Theorien in vollem Strahl heraus. 

Ein geniales Buch

Aus all diesen Gründen ist Yann Moix der geniale Autor eines genialen Werks. Denn auch wenn das Lächerliche allgegenwärtig ist, wird es doch bewusst eingesetzt und mit unbestreitbarem Talent geschrieben. Die Sprache ist – wenig überraschend – köstlich, denn Yann Moix ist ein Liebhaber der Worte. Weil er ein Gespür für Formulierungen hat und weil er in der Lage ist, Reden zu verfassen, von denen zwar niemand etwas versteht, deren Musikalität und Eleganz jedoch jeder zu schätzen weiß. Mal ganz unter uns: Wer versteht schon etwas von Passagen wie diesen:

«Emmanuelle, die von meinem Weggang wie gelähmt war, wusste wohl selbst nicht, in welchem Wirrwarr von Gefühlen sie sich befand. Der Mut zum Bruch machte in ihr gerade erst seine ersten Schritte. Die Qual war noch nicht festgefügt. Der Ausgang war noch nebulös, es war ein zögerliches Stottern der Trennung. Dennoch war die Trennung schon immer da gewesen.»

Und trotzdem ist es schön. Wenn der Stil das Skelett ist, dann sind die Originalität und die Finesse von Yann Moix das Fleisch. Der Autor gibt sich vollkommen hin. Und es spielt keine Rolle, ob das, was er erzählt, wahr ist oder nicht. Auf jeden Fall klingen seine Worte wahr. Weil sie so menschlich sind. So männlich. So neurotisch. Yann Moix kennt keine Grenzen. 

Er gesteht seine Unaufrichtigkeit, seine widersprüchlichen Fantasien, seine Manipulationsmethoden und seine Feigheit – und zwar in einem solchen Maße, dass er dadurch fast schon rührend wirkt. Er nimmt uns als Zeugen, damit jeder anhand der erzählten Geschichte einen Teil – und sei er noch so winzig – seiner aufrichtigen dunklen Seite in der Liebe erkennt. Eine private, intime, persönliche Geschichte erhält universelle Bedeutung. Deshalb ist Yann Moix ein wahrer Schriftsteller. 

«Für immer getrennt sein»

Und natürlich hinter einigen Passagen mit Neologismen und jüdisch-christlichen Metaphern, die für den Autor typisch sind, Schluss machen erhellt sich durch eine völlig verblüffende Wahrheit. Allein schon durch den bewegenden Satz auf der Rückseite: «Für immer getrennt zu sein, ist eine Art, für immer zusammen zu sein.»

Man könnte meinen, es handele sich um einen Satz, der nur so nebenbei zu Papier gebracht wurde, um einen guten Eindruck zu hinterlassen, doch was er tatsächlich ausdrückt, ist von beeindruckender Tiefe. Tatsächlich bleibt man, wenn man einmal mit jemandem in einer Beziehung war, Teil seiner Geschichte. Die Trennung ermöglicht es einem, seinen Platz als’ex für immer. Sie hat unsere Persönlichkeit geprägt, und niemand wird das jemals auslöschen können.

Schluss machen ist ein kleines Buch, das einen nicht loslässt; es ist der kleine Begleiter für alle, die eine Trennung hinter sich haben oder vor sich haben. Schluss machen, eine Quelle der Inspiration. Eine kluge Sammlung. Gedanken, die im Herzen des Lesers die Spuren des Bruchs hinterlassen. Und dann fühlt man sich endlich weniger allein. Vor allem, wenn man ein Calimero wie Yann Moix ist, ebenfalls eine Reihe von Misserfolgen in der Liebe hinter sich hat und genauso lächerlich ist wie er. 

Yann Moix
Schluss machen
Grasset-Verlag
2019
108 Seiten

Schreiben Sie dem Autor: loris.musumeci@leregardlibre.com

Bildnachweis: © Loris S. Musumeci für Le Regard Libre

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