Vorführung des «Ciné-roman» von Roger Grenier
Die Dienstagsbücher – Ein Rückblick auf die Literatur – Loris S. Musumeci
Ein echter Buchfund. Ohne den Autor zu kennen, ohne jemals von diesem Titel gehört zu haben, Filmroman, das aus den beiden Dingen besteht, die ich am meisten liebe – dem «Kino» und dem «Roman» –, konnte mich unmöglich kalt lassen. Für hundert Cent habe ich es gekauft, und ich wurde nicht Enttäuschung!
Das wenig bekannte Werk eines etwas in Vergessenheit geratenen Schriftstellers hatte 1972 dennoch den Prix Fémina gewonnen. Der Autor Roger Grenier widmete sein Leben der Literatur, bis er 2017 im Alter von achtundneunzig Jahren starb. Ein Leben für die Literatur, doch stets im Schatten. Und doch – was für eine Karriere! Er begann als Journalist bei Kampf, zusammen mit einem gewissen Albert Camus. Er schloss sich der Résistance an. Anschließend schlug er eine Laufbahn als Journalist, Schriftsteller und Essayist ein. Vor allem aber war er als Verleger bei Gallimard tätig, wo er insbesondere zwei Größen der zeitgenössischen Literatur zum Durchbruch verhalf: Sylvie Germain (Autorin unter anderem des großartigen Magnus) und Daniel Pennac, den man nicht mehr vorstellen muss.
Ein Hauch von Nostalgie
Mit Filmroman, keine große Literatur. Keine literarische Revolution seitens eines Grenier, der schreibt, was ihm gefällt, um sich selbst eine Freude zu machen – das spürt man beim Lesen deutlich. Kein Stil, der den Leser durch seine Poesie verzaubert, kein Stil, der den Leser durch seine Eleganz fasziniert. Filmroman ist leicht und unkompliziert. Es ist Unterhaltung, genau wie ein Film, der in einem kleinen Stadtteilkino läuft. Ein Film, den man einmal sieht, der einen amüsiert, vielleicht sogar ein wenig berührt, und den man dann langsam, ganz einfach wieder vergisst. Was diesen Roman jedoch nicht daran hindert, einen Hauch von rührender und sehr persönlicher Nostalgie zu verströmen.
Über die leichte und nostalgische Lektüre hinaus liegt der Reiz des Romans in seiner sinnlichen und verliebten Beziehung zum Kino und seiner Welt. Monsieur La Flèche, ein alternder Hyperaktiver, beschließt, in einem Vorort an ein und demselben Ort ein Kino und eine Tanzbar zu eröffnen. Er stellt fest, dass die Tanzbar zwar einen geradezu phänomenalen Erfolg verzeichnet, dies jedoch nicht wirklich für den Kinosaal gilt, dessen Name zwar altmodisch, aber dennoch magisch ist, Der Magic Palace. Das Publikum bevorzugt Kinos in der Stadt, die von großen Kinobetreibern geführt werden. Mehr amerikanische Filme, mehr Träume, mehr Nervenkitzel, aber vor allem Filme, die man sehen kann, ohne drei Wochen warten zu müssen, bis der Preis für die kleinen Kinos sinkt.
Eine Geschichte von Liebe und Kino
Die Familie Laurent, die zum unternehmerischen und tatkräftigen Kleinbürgertum gehört, kauft das Kino im Rahmen eines Geschäfts mit La Flèche, das ganz klar als Abzocke bezeichnet werden kann. Als die neuen Besitzer feststellen, dass der Saal nur schwer Zuschauer anzieht, setzen sie sich mit Leib und Seele dafür ein, das „Magic Palace“ zu retten. Vor allem François, ihr fünfzehnjähriger Sohn, der sich nicht nur in den Ort, sondern auch in das Kino verliebt. Und sich ganz einfach verliebt.
«Er versuchte, sich die Schlüssel zurückzuholen. Sie drückte sie mit einem seltsamen Lächeln an ihre Brust, und so lag seine Hand auf ihren Brüsten. Bald küssten sie sich. Sie küsste gut, mit der Zunge. Der Magic Palace veränderte erneut sein Aussehen. In den Augen des Jugendlichen war er zunächst der Tempel des Kinos gewesen, dann ein Ort der Entdeckungen, und nun, riesig und verlassen, aber vertraut, ein romantisches Versteck für seine ersten Liebesabenteuer.»
Nostalgisch, sanft und liebenswert, Filmroman ist nichts anderes als ein Roman über das Kino, erzählt aus der Perspektive eines fünfzehnjährigen Jugendlichen, der übrigens seinem Autor sehr ähnlich ist. Das Lesen wird so zu einer Filmvorführung, bei der man in die Dunkelheit eines Kinosaals eintaucht; man taucht in eine Epoche ein, die der Stadtteilkinos, die Eddy Mitchell in Die letzte Sitzung (1977). Und wie Paul Morelle in den Spalten der Welt Anlässlich der Veröffentlichung des Romans: «Roger Grenier ist der Filmvorführer jener kleinen Welt, die er im Laufe der Jahre mit der unsichtbaren Kamera der Sinne und des Herzens im Miniaturformat festgehalten hat.»
Schreiben Sie dem Autor: loris.musumeci@leregardlibre.com

Roger Grenier
Filmroman
Gallimard Verlag
1972
288 Seiten
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