«Es ist der letzte Kampf», zwischen Text und Bildern

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geschrieben von Ivan Garcia · 24 September 2019 · 0 Kommentare

Bücher am Dienstag - Ivan Garcia

Literatur und Fotografie haben oft ihre Kräfte vereint, um hybride Werke zu schaffen. Von dem berühmten Werk Bruges-la-Morte des belgischen Schriftstellers Georges Rodenbach in Die helle Kammer von Roland Barthes haben Fotografien oft Texte begleitet, um sie zu illustrieren oder alternative Lesarten zu ermöglichen. Heute, Le Regard Libre bietet Ihnen einen Einblick in Das ist der letzte Kampf, Fête cantonale genevoise de lutte (19. Genfer Kantonales Schwingfest), um sich in Wort und Bild mit diesem Sport vertraut zu machen.

In der Genfer Gemeinde Anières fand vom 12. bis 13. Mai 2018 ein bedeutendes Ereignis statt: das Genfer Kantonale Schwingfest. Dieses wurde nicht nur von Journalisten und Fotografen begleitet, sondern führte auch zur Veröffentlichung eines Buches im Good-Heidi-Verlag. Die Autorin, die Genfer Fotografin Karine Bauzin, ehemalige Assistentin des Fotografen Raymond Depardon, ist keine Anfängerin auf diesem Gebiet. Nach einem Aneurysma-Riss wandte sich die ehemalige Literaturstudentin der Pressefotografie zu und veröffentlichte zwei Bücher: Das erste, Eines Tages ändert sich alles …, handelt von seinem Unfall; der zweite, mit dem Titel PORTRAITS-GE.CH das im Slatkine-Verlag erschienen ist, basiert auf Porträts von Persönlichkeiten aus Genf. In diesem dritten Werk verbindet Karine Bauzin Fotografien, Interviews und Erzählungen, um ein lebendiges Zeugnis dieses Sportveranstaltungen zu schaffen.

Ein Erfahrungsbericht

In den letzten Jahren hat das Schweizer Schwingen einen Aufschwung erlebt: Das Eidgenössische Fest 2016 in Estavayer-Le-Lac in der Romandie, grosse Schweizer Veranstaltungen, Sportvereine und eine umfangreiche Medienberichterstattung haben dazu beigetragen, diesen Sport, der lange Zeit auf die Deutschschweiz beschränkt war, in der Romandie bekannt zu machen, wo er heute Anhänger findet. Die Besonderheit des vorliegenden Werks besteht daher darin, den Lesern vielfältige Zugangsmöglichkeiten zu bieten. Der bloß Neugierige kann die ausschließlich in Schwarz-Weiß gehaltenen Fotografien bewundern, während der eifrige Leser jedes noch so kleine Textdetail auf der Suche nach Informationen unter die Lupe nimmt. Der besonders Fleißige wiederum wird Text und Fotografien miteinander verbinden, um sich einen Gesamtüberblick über das Thema zu verschaffen.

© Karine Bauzin

Das ist der letzte Kampf ist ein Erfahrungsbericht, der den Lesern die beiden großen Tage des Genfer Kantonsfestes 2018 in Anières näherbringt. Dabei stellt das Werk eine kuriose Mischung aus journalistischer Arbeit, Fotografie und literarischem Experiment dar. Kaum hat man das Buch aufgeschlagen, offenbart sich unseren Augen eine halbe Seite Text über die Geschichte des Schwingens und auf der anderen Doppelseite ein Stich. Wir erleben also eine Mischung aus Quellen und Formaten, die den Leser auf seine sportliche Entdeckungsreise mitnimmt.

Der Autor beginnt mit historischen Überlegungen zu dieser Sportart und bietet den Lesern damit einen Einblick in den Kontext seines Buches sowie seiner Arbeit, bevor er mit seiner Reportage beginnt. In diesem Zusammenhang findet der Leser zwei kurze Interviews mit den Organisatoren der Veranstaltung, in denen diese die Gründe für die Ausrichtung dieses Festes erläutern.

Fotos und Text: ein Reisepaar

Beim Lesen können wir der Erzählung folgen, indem wir uns entscheiden, entweder den Text oder die Fotos außer Acht zu lassen. Doch erst wenn beide Medien miteinander in Resonanz treten, erreicht das Werk seinen Höhepunkt. Die Fotos wirken wie Fragmente, als hätte die Fotografin die Höhepunkte dieses Sports in wenigen Aufnahmen festhalten wollen. So sehen wir beispielsweise Kinder, die gegeneinander ringen, oder – in festlicheren Momenten – Ringer, die Bier trinken.

© Karine Bauzin

Um dieses Ziel, das besondere Momente in den Mittelpunkt rückt, zu unterstreichen, setzt der Autor das Layout geschickt ein, um bestimmte Effekte zu erzielen. Unter anderem lassen sich Verflechtungen zwischen den verschiedenen Fotografien erkennen, wobei manche an andere erinnern oder feiner gerahmte Ausschnitte darstellen, während andere einen größeren Bildausschnitt zeigen. Aus einer bestimmten Perspektive erinnert das Werk mit seinen Schwarz-Weiß-Tönen an die Daumenkinos die beim Umblättern der Seiten nach und nach eine Geschichte erzählen.

Der Autor beschränkt sich keineswegs darauf, nur mit den Fotografien zu spielen, sondern räumt auch dem Text einen großen Platz ein, der insbesondere in Form von Verben wie «sich stellen», «befeuchten», «respektieren» … ebenfalls in Schwarz-Weiß erscheint und oft eine halbe Seite einnimmt. Da die andere halbe Seite von einem Foto eingenommen wird, stellen die Leser schnell eine Verbindung zwischen beiden her. Da jedes Verb zudem definiert wird, erhält es eine ganz besondere Bedeutung, die spezifisch für den Kontext des Genfer Kantonsfestes mit Schwingen ist. Karine Bauzin liefert uns dank dieses Ansatzes eine Art kleine bildhafte Parodie auf das Lexikon der Vorurteile von Flaubert.

© Karine Bauzin

Ästhetisch gesehen ist das Werk ein echter Erfolg und schafft es, uns auf eine Reise zu einem Sport mitzunehmen, der, a priori, scheint wenig interessant zu sein oder hätte jedenfalls große Schwierigkeiten, eine Romanform anzunehmen. Was die erzählerische Ebene betrifft, so handelt es sich bei Karine Bauzins Werk natürlich nicht um einen Text, den wir als rein literarisch bezeichnen könnten, doch aufgrund seiner raffinierten Mittel lässt es sich einer Art Graphic Novel zuordnen. Mithilfe des Layouts und der Fotografien entführt dieses Werk den Leser in eine Erzählung – die Geschichte dieser Tage des Kampfes –, die sich zwischen Text und Bildern bewegt.

Schreiben Sie dem Autor: ivan.garcia@leregardlibre.com

Bildnachweis: © Ivan Garcia für Le Regard Libre

Ivan Garcia
Ivan Garcia

Ivan Garcia ist Web-Editor bei der Zeitung Le Temps und Referendar. Er leitet die Literaturrubrik von Le Regard Libre und schreibt dort regelmäßig.

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